sternenstauner
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Ich grüße Sie, einen der ersten Leser eines der ersten Beiträge eines der letzten Weblogs, die ich eröffnet habe oder eröffnen werde.
Leider bin ich derzeit nicht in der Lage, etwas sinnvolles zu schreiben, da ich mit jedem Atemzug, den ich verrichte, müder werde - die Uhrzeit rechtfertigt dies - , also wird die Tage wahrscheinlich erst ein ordentlicher Eintrag folgen.
Bis dahin sei gesagt: Ich habe heute einen Kuchen gebacken.

Au revoir.
19.5.07 00:52


Wolfszeit-Festival

- Aus gegebenem Anlass folgt nun der erste ordentliche Eintrag -

Wolfszeit-Festival, 28.-29. September 2007
(Festival-Homepage)

Am 28. und 29. September wird das Wolfszeit-Festival, auf dem Viking- und Black-Metal-Bands spielen werden, stattfinden. Der Veranstaltungsort (ca. 40 km von Lichtenfels entfernt) wird nur Käufern der Tickets bekanntgegeben, um sowohl einen Ansturm potenzieller Besucher, die vergeblich auf eine Abendkasse hoffen, als auch mögliche Demonstrationen linksradikaler Aktivisten zu vermeiden. (Weshalb letzteres wahrscheinlich ist, erkläre ich später.)
Der Veranstalter betont, dass das Festival und die Bands, die dort spielen werden, unpolitisch sind.

Billing:
- Angantyr
- Apokrypha
- Asmodi
- Creature
- Elexorien
- Equilibrium
- Fimbulthier
- Finsterforst
- Fjoergyn
- Heimdalls Wacht
- Kromlek
- Minas Morgul
- Negator
- Obscurity
- Orlog
- Riger
- Slartibartfass
- Varg
- Vrankenvorde
- Wolfchant

Zuerst war die Band Taake als Headliner geplant, um ihr nach dem "Swatiska Skandal" in Essen (der meiner Meinung nach nur Provokation, keine Äußerung politischer Ideologien sein sollte - Link 1, Link 2) eine zweite Chance zu geben - da dies aber zur Folge gehabt hätte, dass viele bereits bestätigte Bands doch nicht spielen, da sie selbst oder ihre Vertriebe einen Taake-Auftritt nicht tolerieren würden, wurde Angantyr als Ersatz gebucht.

Das Festival wird sehr klein und familiär werden, da nicht mehr als 1000 Besucher erwartet werden (das Kartenlimit betrug zuerst 500, wurde aber später erhöht, um keine schwarzen Zahlen zu schreiben). Geplant sind Lagerfeuer, Metwetttrinken und ein Wikingermarkt.

Nun zum weniger erfreulichen Teil, bisher zwei Artikeln bezüglich des Festivals:


I - "Wolfszeit-Festival" in Neustadt/Coburg mit dubiosen Bands
(Link)

Hierbei werden das Festival und vor allem die dort spielenden Bands als rechts dargestellt - die Argumentation ist nicht sehr schlüssig, vieles ist aus der Luft gegriffen oder dem Kontext entrissen.

[ Zitat: Das Festival wird u. a. vom „Nordahl Versand“ präsentiert. Dieser Versand bietet in seinem Shop diverse Bücher von extrem rechten Autoren an. Darunter ist ein Buch mit dem Titel „Runenkunde“ von Edmund Weber aus dem Jahr 1941, für dessen Neuauflage der NPD-Anwalt und rechtsextreme Multifunktionär Jürgen Rieger das Vorwort geschrieben hat. Auf diese Tatsache wird beim Nordahl Versand gesondert hingewiesen. Auch Bücher des rechtsextremen Grabert-Verlages und ein Buch des SS-Runen-Forschers Walter Blachetta finden sich im Programm des „Nordahl-Versandes“. In diesem Buch bezeichnet er das Sonnenrad, das auch im Boden des “SS-Obergruppenführersaales” der Wewelsburg eingelassen ist, als “Zeichen der Vollendung”. ]

Diese Behauptung hat meiner Meinung nach nichts mit dem Festival zu tun. Es ist lächerlich, krampfhaft nach Hinweisen zu suchen, die auf eine politische Gesinnung hindeuten, zumal das Festival klar und deutlich vom Veranstalter als unpolitisch bezeichnet wird.

[ Zitat: Der Sänger der auftretenden Band „Heimdalls Wacht“ („Narhemoth“) bezeichnet sich in einem Interview selbst als „sozialkritisch“, womit de facto eine sozialdarwinistische Einstellung gemeint ist: „ (…) wir hassen diese Schwächlingsgesellschaft und haben eine starke Heimatverbundenheit (…) ]

Seit wann bedeutet Sozialkritik gleich Sozialdarwinismus? Linksradikale sind auch sozialkritisch, damit beißt sich der Autor also ins eigene Fleisch.
Außerdem erklärt Narhemoth nicht, wer oder was schwach an unserer Gesellschaft ist, und Heimatverbundenheit bedeutet nicht gleich Verbundenheit mit dem Nationalsozialismus.
Saruman, Mitglied von Heimdalls Wacht, sagt hierzu im Wolfszeit-Forum: "Unnötig zu erwähnen, dass die genannten Narhemoth-Aussagen (übrigens wurde sein Name falsch geschrieben - soviel zum journalistischen Ehrgeiz korrekt zu recherchieren) aus keinem Heimdalls Wacht-Gespräch entnommen wurden!"

[ Zitat: Über „Heimdalls Wacht“-Tonträger, die bei den rechtsextremen/neonazistischen Labels „Christhunt Productions“, „Blutvergiessen“ und „Heidenshart“ produziert wurden, meint die Band lapidar: „Christhunt ist ein Black Metal Label, Blutvergießen auch, Heidens Hart auch, Warfront ebenso… Zudem allesamt sehr gute! Mit diesen arbeiten wir ausschließlich aus musikalischen Gründen zusammen bzw. vertreten einen ähnlichen Enthusiasmus bezüglich den Werten des Black Metals. Was“. (Interview mit dem „Evilized Webzine“, März 2007). ]

Heimdalls Wacht äußern sich meiner Meinung nach in der zitierten Stelle nicht nur lapidar, sondern klar verständlich und nicht weiter erklärungsbedürftig dazu. (Link zum Interview mit Heimdalls Wacht)

[ Zitat: Auch die Produktion eines Tonträgers des Seitenprojektes „The Martyrium“ bei dem NSBM-Label „Nebelfee Klangwerke“ wird mit dem Hinweis, dass dies aus musikalischen und nicht-politischen Gründen passiert sei, verharmlost. Die Verwendung rechtsextremer und von Nazi-Symbolik wie z. B. eines Sonnenrades in einem CD-Booklet wird von der Band mit dem Verweis auf die „religiös-okkulte Bedeutung“ und den „ästhetischen Zusammenhang“ des Bildes mit dem Liedtext „Der Glanz der schwarzen Sonne“ verteidigt. ]

a) Dass die Martyrium-CD bei Nebelfee Klangwerke produziert wurde - wie auch erwähnt, "aus musikalischen und nicht-politischen Gründen" (wie deutlicher muss man denn noch werden?) - tut, abgesehen davon, dass das Zitat selbsterklärend ist, nichts zur Sache, da es um Heimdalls Wacht geht. Was die Mitglieder in anderen Projekten tun, hat keine Auswirkung auf die politischen Inhalte der Musik - die hier gleich null sind.
b) Schon vor der NS-Zeit gab es das Sonnenrad (ich bitte um Korrektur, wenn das falsch ist!), das wird leider viel zu oft vergessen! Wofür Symbole im Laufe der Zeit missbraucht wurden, ändert doch nichts an ihrer Bedeutung! Außerdem erklärt Heimdalls Wacht hier doch, aus welchem Grunde es im Booklet zu finden ist. Reicht das nicht?

[ Zitat: In einem Interview erklärt „Narhemath“ seine religiöse Einstellung: „Wir hassen die bestehende Gesellschaft, die auf Werte der jüdisch christlichen Gesellschaft aufgebaut ist“ (zitiert in Dornbusch/Killguss 2005, Seite 182). ]

Dass Black Metaller hassen, ist bekannt. Dass Neuheiden die jüdisch-christliche Gesellschaft nicht mögen, dürfte sich jedem mit gesundem Menschenverstand auch erschließen (Kreuzzüge etc.) - Wo liegt also das Problem?
Bezüglich des Interviews verweise ich auf oben genannte Aussage Sarumans.

[ Zitat: Auch das dänische Musikprojekt „Angantyr“ soll bei dem Festival auftreten. In einem Interview auf seine Zukunftvisionen angesprochen, gibt der Frontmann, der sich “Ynleborgaz” nennt, zur Antwort, dass jeder sehen könne, wohin sich die Welt entwickle, “mit all den Juden-kontrollierten multirassischen multinationalen Firmen, die den letzten Tropfen reinen Blutes aus der Welt saugen”. Man habe jetzt dagegen aufzustehen. ]

Nunja, das ist wirklich eine etwas grenzwertige Aussage. Aber das erwähnte Interview bezieht sich höchstwahrscheinlich (ich habe es nicht gelesen) auf die Zukunftsvisionen des Sängers als Privatperson, nicht auf die Ziele der Band.

[ Zitat: Im Schriftzug der Band „Orlog“ findet sich eine abgewandelte Form der “Tyr-” bzw. “Pfeil-Rune”. Die Tyr-Rune wurde bereits im Ersten Weltkrieg von diversen Jugendbünden, aber auch im Nationalsozialismus vielfach verwendet (zB. Hitler-Jugend, SA). Auch heute noch findet man das Symbol bei diversen rechtsextremen und neonazistischen Gruppierungen. ]

Auch hier gibt es nur zu sagen: Es gab auch eine Zeit vor dem NS-Regime!
Oder darf ich das Wort "und" nicht mehr sagen, weil Adolf Hitler es benutzte?

[ Zitat: Auch die Band „Riger“ soll auftreten. Die Band trat im Jahr 2003 zusammen mit der neonazistischen Band „Magog“ und der rechtsextremen Band „Eternity“ bei einem Konzert auf. Auf dem Cover ihres Tonträgers „HAMINGJA“ ist ein nur leicht verfremdetes Hakenkreuz abgebildet. http://www.turnitdown.de/211.html ]

Ich zitiere Bandmitglied Peter: "Nachdem die Metalszene unsere Bekundungen, als Band keineswegs politisch agieren zu wollen, weitestgehend zur Kenntnis genommen und diese akzeptiert hat, bleibt uns die Anfeindung von ,extrem links außen' leider nicht erspart. Letztere ist alles andere als förderlich. Wir mussten, und müssen weiterhin, lernen, damit umzugehen. Wir sind jedoch nach wie vor der Ansicht, dass wir durch unser musikalisches Schaffen niemals Anlass für derartige Gerüchte gegeben haben. Vielmehr sprechen wir aus, was sich für
uns hinter heidnischem Denken verbirgt. Diese Gedanken schützen sicherlich das Heidentum gegen Missbrauch, uns aber noch immer nicht vor Hetze."
(Link zum Interview)


II - "Wölfe im Schafspelz" - das "Wolfszeit"-Festival und der NS-Black Metal
(Link)

Schon die Einleitung strotzt nur so vor Fehlern. Aha, sorgfältig recherchiert.

[ Zitat: Das "Wolfszeit"-Festival will, den eigenen Verlautbarungen nach, sich keiner politischen Position verpflichtet fühlen. Man gibt sich ganz "unpolitisch", möchte angeblich nur dem religiösen Vermächtnis der Germanen nachgehen, und hält sich ansonsten von jeglicher Politik - rechter wie linker - gänzlich fern. Allerdings handelt es sich dabei nur um Lippenbekenntnisse, mit denen ein antifaschistischer Protest von vornherein abgewiegelt werden soll. ]

Die Bemühungen, das Festival unpolitisch zu halten, sind durchaus ernst gemeint - sie werden oft wiederholt, im Festival-Forum teilweise erklärt und die Aussage "Viking & Black, No Politics, No Commerce, Pure Metal" (Foto: Flyer) klingt für mich durchaus glaubwürdig und engagiert.
Mal angenommen, es wäre wirklich so: Wieso sollte man ein Festival, das neonazistische Absichten verfolgt, als unpolitisch bezeichnen? Seit wann vertuschen Neonazis, welche Ansichten sie vertreten? Wäre die Beteuerung, das Festival werde unpolitisch, und die Ankündigung der Unterbindung jedweder rechtswidriger Handlung nicht hinderlich bei der Werbung?

[ Zitat: Schließlich genügt schon ein Blick auf die Bands, die auf dem "Wolfszeit"-Festival auftreten sollen, um der Aussage der Veranstalter, "Keine der spielenden Bands versucht mit ihrer Musik politisches Gedankengut zu überliefern!", widersprechen zu können. Unter anderem werden HEIMDALLS WACHT auftreten, deren Sänger sich mehrfach positiv über rechte oder sogar offen neonazistisch auftretende Black Metal-Bands geäußert hat (FightFascism). ]

Bezüglich Heimdalls Wacht kann ich nur wieder auf das Interview verweisen - Saruman, in Bezug auf den "Hinweis im Booklet, dass" ihre "Musik von keiner 'Ideologie beschmutzt' werden soll": "Die, die uns im rechten Spektrum sehen wollen tun es, die, die etwas Ahnung von der Materie haben, wissen eh, dass wir dort nicht hingehören... Für wen schreiben wir diese Hinweise dann überhaupt? Vielleicht für einige wenige, die unschlüssig sind? Ich weiß es nicht, wahrscheinlich eher für uns selbst... Wie dem auch sei. Der Bandname ist gänzlich unbedenklich, der Albumtitel auch (Patriotismus mit politischen Ideologien zu verwechseln ist dermaßen dumm, dass ich nicht weiter darauf eingehen werde...). „Unter dem Banner der weißen Hand“ bezieht sich auf das Symbol Sarumans > mein Pseudonym ist Saruman – Kausalkette klar? Christhunt ist ein Black Metal Label, Blutvergießen auch, Heidens Hart auch, Warfront ebenso... Zudem allesamt sehr gute! Mit diesen arbeiten wir ausschließlich aus musikalischen Gründen zusammen bzw. vertreten einen ähnlichen Enthusiasmus bezüglich den Werten des Black Metals. Was diese Leute in ihrem Leben noch für „Hobbys“ haben (z.B. Politik oder Sammeln von Toiletten-Papier-Marken) interessiert mich nur sehr am Rande. Also was soll die Scheiße!"

[ Zitat: Ebenfalls auftreten sollen ORLOG, die ihre Tonträger auch schon mit Abbildungen des NS-Bildhauers Josef Thorak geschmückt haben, und RIGER, die auf ihren Tonträgern verfremdete Hakenkreuze verwenden und welche im September 1998 auf einem Konzert im thüringischen Behringen, das gemeinsam von den Brüdern Möbus und den "Sachsen Hammerskins" organisiert wurde, aufgetreten sind. Beide Bands stehen bei der rechten Plattenfirma DET GERMANSKE FOLKET (Firmenseite) aus Sachsen unter Vertrag; diese Firma wurde von einem ehemaligen führenden Mitglied der DEUTSCHEN HEIDNISCHEN FRONT (D.H.F. => Hintergrundinfo) gegründet. Eine weitere Band, die auf dem "Wolfszeit"-Festival spielen wird, ist MINAS MORGUL. Deren aktuelle CD trägt den Titel "Todesschwadron Ost" (Bandseite), eine Anspielung auf die Einsatzgruppen von SS und SD, die im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront operierten und welche für den Massenmord an hunderttausenden Menschen verantwortlich sind. ]

a - Orlog) Darf Kunst, die in der NS-Zeit entstand, nicht verwendet werden, oder wie sehe ich das? Sollte man diese Zeit am besten gleich aus dem Gedächtnis der Menschheit streichen, auch wenn sie ein paar nützliche Dinge (ich rede von Kunst, nicht von Mord!) hervorbrachte?
b - Riger) 1. Siehe oben. - 2. Das "verfremdete Hakenkreuz" befindet sich auf diesem Cover - und ich bin der Meinung, dass man da schon einiges für reininterpretieren muss, um eines zu finden. Genausogut könnte man ein Quadrat als verfremdetes Hakenkreuz bezeichnen.
c - Det Germanske Folket) Meines Wissens nach ist dieses Label nicht rechtsradikal.
d - Minas Morgul) Ob "Todesschwadron Ost" eine Anspielung auf den zweiten Weltkrieg ist, ist Interpretationssache.

Aber was habe ich denn zu sagen, als potenzieller Neonazi (uuh, Black Metal, Besucher des Wolfszeit-Festivals und so)? (Meine Uroma ist übrigens aufgrund ihrer Geisteskrankheit von den Nazis in ein Arbeiterlager gesteckt worden, aber das nur am Rande.)

Abschließend möchte ich sagen, dass ich es traurig finde, wie Leute zwanghaft nach Anzeichen rechter Gesinnung im "heidnischeren" Metal suchen. Der Polylux-Bericht über Pagan Metal hat den Ruf der Szene schon angeschlagen, aber das reicht scheinbar nicht - an jeder Ecke wird nach Indizien zur Verurteilung gesucht. Das Wolfszeit-Festival hat noch nicht einmal stattgefunden, und schon sind flächendeckende Aktionen zur Warnung vor ebendiesem geplant. Hier wird nicht nur der Ruf eines politisch unbedenklichen Festivals, sondern der einer ganzen Subkultur fälschlicherweise geschädigt, schon jetzt wird der Begriff "Black Metaller" meist mit "Neonazi" assoziiert. Wie paranoid ist unsere Gesellschaft geworden? Zieht ein solches Verhalten, eine solche Panik vor Neonazis, diese nicht besonders an, da Menschen gerne "mit dem Feuer spielen"?
Darüber sollte man sich mal Gedanken machen.

Einen schönen Abend wünsche ich noch.
Sternenstauner
20.5.07 21:53